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13.07.2026

RSL Blog: Schwerpunktthema Demenz Teil 1

In diesem mehrteiligen Blog berichtet unser Demenz Fachverantwortlicher Dominik Beer über die Erfahrungen und auch über durchaus schöne Geschichten in seiner spannenden Tätigkeit mit Menschen mit Demenzerkrankungen.

 

 

Vom Benennen der Handlungen und Dinge:

In der Ausbildung haben wir gelernt, dass man bei der Pflege, alles, was man tut, benennen soll: «Ich werde ihnen nun den Arm waschen».

Bei der Blutentnahme sagt mir die MPA, «es git jetzt en chline Stich». Ich möchte dies als ängstlicher Mensch aber nicht wissen. Daher sage ich, wenn ich auf dem Laborstuhl sitze, dass man kommentarlos tun solle, was getan werden muss. Ich fahre gut damit, auch wenn ich den Stich nie verspüre.

Beim Menschen mit Demenz, dessen Auffassungsgabe beeinträchtigt ist und der Mühe hat, Sprache zu verstehen und sich auszudrücken, wird es besonders schwierig, angemessen zu informieren. Oft sagt man zu viel.

Im besten Fall kennt man die Person, die man zu pflegen hat. Gewohnheiten und Eigenarten kennen hilft beiden Seiten.

Ich habe einmal einen Mann bei der Morgentoilette unterstützt. Er war kognitiv beeinträchtigt. Seine Schlagfertigkeit hatte er aber behalten. Vor dem Spiegel stehend betrachtete er seine Haare, die seitlich vom Kopf abstanden. Ich reichte ihm den Kamm und sagte:

 «Da isch de Strähl, sie chönnd sich demit no strähle». Grinsend wandte er sich mir zu: «Frässe chan en ja nöd».

Einmal mehr: Ein Kommentar erübrigt sich häufig. Man fährt oft besser, wenn man einfach dort, wo es nicht von selber geht, zudient. Beispielsweise indem man den Kamm reicht. Es ist auch hier wichtig, dass man die Zeit gibt, die es braucht. Jemandem zu sagen, dass er sich mit dem Kamm kämmen könne, kann auch etwas Verletzendes haben:  

«I tumme Cheib weiss nid emol me das».

Wenn Sprache und Verständnis versiegen, muss Pflege nicht wortlos erfolgen («met em Veh redt me jo ou», sagt Frau S.). Der Klang der Worte und der Sprache kann dazu dienen eine vertrauensvolle Stimmung zu erzeugen. Diese ist besonders bei «verlorenen» Menschen hilfreich.

Ich habe einmal eine Frau, die durch ihre Demenz sehr stark eingeschränkt war, bei der Dusche unterstützt. Sprachlich konnte sie sich kaum ausdrücken. Was ich sagte, verstand sie nicht. Sie wirkte verloren und ängstlich. Die Dusche und das ganze Procedere schien ihr bedrohlich. Sie zögerte hineinzugehen. Meine Worte «Alles isch guet», die ich fast singend, in tiefem, ruhigen Tonfall wiederholte, bewirkten, dass die Frau die Dusche unsicher betrat. Sie wandte sich mir fragend zu. Brause und Seifenschale sagten ihr nichts. Ich liess angenehm warmes Wasser über ihre Hände und Unterarme laufen. Den Waschhandschuh, den ich ihr reichte, führte sie an die Brust und ins Gesicht. Mein Wortgesang begleitete die Pflegesequenz. Er schien ein Fundament zu legen.

An anderer Stelle haben wir auch schon zusammen ein Volkslied gesungen, oder ich habe einen gregorianischen Choral intoniert. Gesang hat den Vorteil, dass er «verstanden» wird. Wo Worte fehlen hilft Gesang. Aber auch hier gilt es situativ zu handeln und zu dosieren. Man muss auch das Schweigen aushalten können. Ich habe schon manche schöne Pflegesequenz mit Menschen mit Demenz erlebt, bei der es mucksmäuschenstill war- eine konzentrierte Stimmung, die durch Worte gestört worden wäre.
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