Ich erinnere mich an eine Pflegesituation, bei der ich mit einem ehemaligen Schweizermeister im Boxen zu tun hatte. Der Mann war gebrechlich und ging am Stock. Es stand für ihn aber ausser Zweifel, dass er es «immer noch draufhabe». Er fühlte sich jung und gut. Am Tanznachmittag für Senioren, zu dem ich ihn begleitete, wollte er nicht teilnehmen, obschon er gerne Musik hatte: «da häts ja nur alti Wiiber», sagte er. Wir gingen Kaffee trinken.

Frühe Prägungen machen den Menschen zu dem, was er ist. Dies gilt im Guten, wie im Schlechten. In der Demenzpflege finden wir im besten Fall die guten Themen. Diese stärken den Menschen. Sie würdigen ihn in seiner ganzen Persönlichkeit. Sie helfen, einen Zugang zu finden, wenn Kommunikationskanäle nicht mehr funktionieren.

Es ist deshalb wichtig, dass wir genau zuhören, wie jemand spricht, welche Begriffe und Wendungen gebraucht werden. Wenn wir diese auch verwenden, können wir Verbindung schaffen.

Musik ist ein sehr guter Weg zur eigenen Vergangenheit und zu einer zufriedenen Gegenwart. Dass es auch bei Menschen ohne Demenz funktioniert, kann in einem Selbstversuch ausprobiert werden. Sucht ein Musikstück, das in eurer Jugend wichtig war*. (Auf youtube findet man alles). Schliesst, während es läuft, die Augen. Nicht, dass ihr wieder zum Teenager werdet, aber die Gefühle von damals kommen wieder hoch. Im besten Fall zaubern sie ein zufriedenes Lächeln auf euer Gesicht.

 

*Ich höre Phil Collins, «Easy Lover», und erinnere mich an den bunten Abend im Skilager, als Michaela lieber mit Roger getanzt hat. Mittlerweile zaubert der Song ein zufriedenes Grinsen auf mein Gesicht. Wenn ich einmal als desorientierter Senior Pflege in Anspruch nehmen muss, könnte dies ein Schlüssel sein, um mich «zu knacken».

 

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